Einige lesbare Texte, deren Verbreitung wir wünschen.
An einen Freund
"Die Geschichte der revolutionären Bewegung ist zuerst und vor allem die Geschichte der Bindungen, die ihre Konsistenz begründen."
Mit diesem Text halten einige Agenten der imaginären Partei eine Lobrede auf Louis-Auguste Blanqui, in der sie die revolutionäre Existenz dieses aufrührerischen Franzosen in beeindruckender Deutlichkeit vor Augen führen und einige verbreitete Vorurteile über das, was man "Blanquismus" genannt hat, zerstören. Zugleich legen sie implizit Elemente einer eigenen Revolutionstheorie dar. Von zentraler Bedeutung ist dabei die genauere Ausformulierung dessen, was Vetreter des neueren aufständischen Anarchismus - in Abgrenzung zur formellen Organisation - als affinity bezeichnet haben - wobei die Agenten der imaginären Partei dieses Moment auch nicht verabsolutieren. Die deutsche Übersetzung des 2007 in französischer Sprache erschienenen Textes wurde erstmals in der Zeitschrift Perspektive (Heft 67/68) veröffentlicht.
"... nichts andres drückt uns, als daß wir hoffnungslos in Sehnsucht leben."
(Dante: Die göttliche Komödie. Inferno. Die Hölle. Vierter Gesang)
Einige vorläufige Anmerkungen zur Stellungnahme des Comité Invisible 'L'insurrection qui vient'
Schon 2007 - was auch heißt: vor den Finanzkrise genannten internationalen polit-ökonomischen Verschiebungen und Neujustierungen und ebenso vor den zuweilen als Aufstand bezeichneten Umtrieben griechischer Anarchisten im Dezember 2008 -, schon 2007 also erschien in Frankreich ein mit weniger als hundert Seiten im Umfang bescheidener Text, dessen weitere Karriere und Wirkung bislang noch als ungewiß einzuschätzen ist: 'L'insurrection qui vient'.
Triebschicksal einer situationistischen Revolutionstheorie
Der hier erstmalig veröffentlichte Text einer Bekannten führt die Linie der Situationistischen Internationale (S.I.) weiter. Die Autorin sagt grob, daß die von der S.I. formulierte Kritik der Trennungen vor der Trennung der Geschlechter halt mache. Diese würde von der S.I. theoretisch ignoriert und praktisch akzeptiert und so verfalle die Gruppe ihrem eigenen Urteil: „Wer eine Trennung akzeptiert, akzeptiert alle Trennungen“. Die Trennung von Mann und Frau oder vielleicht besser die Spaltung der Gattung in Mann und Frau folge dabei aus der Notwendigkeit des Kapitals, seine Arbeiter auch zu reproduzieren (Essen, Wäsche, Sauberkeit der Wohnung, Kindererziehung, Streicheleinheiten etc.) und sei aus dessen Begriff nicht wegzudenken. Der verdrängte wiewohl notwendige Widerspruch würde nun schlecht reproduziert. Auf der theoretischen Ebene z.B. durch den von der S.I. betriebenen Kultus der Aktivität, welcher sich abschließend nur als Kultus der Pseudoaktivität entpuppte. (Vgl. Die wirkliche Spaltung der Situationistischen Internationale) Die Verdrängung und generelle Verdächtigung der Passivität, d.i. der Frauen – die man trotzdem in der Liebe brauchte – wird so als der wahre Grund des Untergangs der S.I. ausgesprochen.
Als Lösung dieses Dilemmas schlägt die Autorin u.a. das Gedankenexperiment vor, auf die heterosexuelle Liebe zu verzichten, solange man ihren Grund nicht kennt. Dies wäre die Voraussetzung gemeinsamer Praxis. (Dieser Interpretation widerspricht die Bekannte allerdings entschieden, also lest besser selbst. Der Stil des Textes läßt dies zu.)
Das Gespenst des Illuminatenordens
Verschwörungstheorien und wirkliche Verschwörungen
Der Geheimbund der Illuminaten ist heute vor allem durch seine Verarbeitung in der Populärkultur bekannt. Dort wird immer wieder gerne auf ihn zurückgegriffen, wenn das Bild einer geheimnisumwitterten Verschwörung gebraucht wird. So zum Beispiel in dem deutschen Film 23 - Nichts ist, wie es scheint, welcher auf der wahren Geschichte eines paranoiden Computer-Hackers basiert. Die Illuminaten tauchen hier als mysteriöse Vereinigung auf, die durch ihr verborgenes Wirken ungeheure Macht erlangt habe und das Weltgeschehen entscheidend beeinflusse.
A tradition in many splinters
The English group Alliance for Workers' Liberty has found out that there is no revolutionary movement at present and that all leftist sects have already been thrown into the dustbin of history - despite the fact that they're still in physical existence. In a contribution for the newspaper of this group, one of the MAGAZIN's editors pointed out that this insight affects their own club, too, which will have to go beyond Trotskyism if they want to contribute to the abolition of the old world.
Kurzer Lehrgang durch die Geschichte der Situationistischen Internationale
Gemäß einer alten Lehre sind es die Produzenten selbst, die sich schließlich von den Zwängen der Vorgeschichte befreien. Dennoch gab es immer auch Revolutionäre, also Individuen, die sich der bewußten Umwälzung der Reproduktion der Gattung halbwegs bewußt verpflichtet hatten. Denn in der Geschichte waren immer nur erste Ansätze zur Bildung des Proletariats zu finden und als Ausdruck solcher genereller Schwäche der Gesamtbewegung ist es zu nehmen, daß einzelne Individuen eine solche Wichtigkeit bekommen konnten.

